Geschichte

TV Staufia Esslingen … seit 1914

Die Technische Verbindung Staufia schaut auf ein außerordentlich bewegtes Leben zurück. Das Bestreben der Staufen, einer Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen auf Dauer anzugehören und hierfür einen persönlichen Beitrag zu leisten, hat unserem Bund bis zum heutigen Tag ein lebendiges und vielseitiges Verbindungsleben ermöglicht.

Gruendungssaal

Zentraler Mittelpunkt aller Aktivitäten sind unsere beiden Staufenhäuser in Esslingen, Mülbergerstr 39 und 41. Mit Mut, Spendenfreudigkeit und Engagement haben sich viele Staufen zum Wohle der Studierenden um die Erhaltung dieser Häuser verdient gemacht. Viele Veranstaltungen wie Stiftungsfeste, Fachseminare, Exkursionen, Vorträge, Kneipen und sportliche Wettkämpfe wie der legendäre Ski-Bauschullauf, der seit 50 Jahren jährlich stattfindet, haben mit ihren Erfolgen der Staufia dauerhafte Konturen verliehen. Die Rektoren der Hochschule unterstützen früher wie heute das Verbindungsleben junger Studenten in einer Gemeinschaft als einen ergänzenden Teil der Ausbildung.

Die Vorbereitungen zur Entstehung unserer Korporation reichen in das Sommersemester 1913 zurück. Unter den lnitiatoren Ernst Fritz, Matthäus Bosch und Albert Köhler wurde der Plan, eine neue lngenieurverbindung zu schaffen, in die Tat umgesetzt, als die Maschinenbauer der damaligen Königlichen Höheren Baugewerkschule Stuttgart in Esslingen eine selbständige Lehranstalt erhielten.
Auf einer Versammlung der lnteressenten im ,,Bräustüble” Stuttgart am 24. Januar 1914 wurden die Ziele dieser neuen Vereinigung beraten und festgelegt und ein Satzungsentwurf auf der Basis einer Korporation ausgearbeitet. Die Bestrebungen der Vereinigung lauteten:
1. Pflege des Gesangs, des deutschen Liedes, Förderung deutschen Volksbewußtseins und vaterländischen Denkens.
2. Pflege des Geistes der Zusammengehörigkeit, wie es unter Studierenden üblich ist und von den Studierenden der Kgl. Höheren Maschinenbauschule und der Schule selbst vernachlässigt wird.
3. Pflege edler körper- und geistesbildender Veranstaltungen: Theater; Konzert, Exkursion, Wanderung, Sport, Vorträge.
4. Streben nach Vervollkommnung des inneren und äußeren Menschen, wie es der werdende lngenieur tun soll, nämlich Hebung des Charakters und der Bildung und nicht zuletzt ein Anstreben zu gegenseitiger freundschaftlicher Hilfe auf der Schule und im ferneren Leben.
5. Dieses soll erreicht werden auf politisch und religiös neutraler Grundlage.

1914-1923

ZirkelAm 5. Februar 1914 fand unter Leitung von Matthäus Bosch in der,,Altdeutschen Bierstube” in Stuttgart die Gründungsversammlung statt. Unsere Gründungsburschen waren: L. Bauer, Matthäus Bosch v. Zapl, Max Bröll v. Keil, Alfred Eichler v. Rex, Karl Frey v. Frosch, Ernst Fritz v. Spund, Otto Jettinger v. Syphax, G. Keinath, August Köhler v. Schufterle, A. Lehrle, M. Merkle, K. Nusser; Wilhelm Schick v. Mauserle, B. Schlenker; Richard Schuler v Suffel, Wilhelm Schwarz v. Nero, Emil Schweppenhäuser v. Schwäbele, Robert Seydel v. Streber R. Uckele, A. Vogt, E. Wulz.
Die vorgelegten Satzungen wurden angenommen. Hierauf wurden die Chargen mit ihren jeweiligen Vertretern gewählt. Noch war die neu gegründete Vereinigung namenlos, was aber der Freude über die Gründung keinen  Abruch tat. Das Präsidium bekam die Aufgabe, die Direktion der Schule von der Gründung zu verständigen und die Satzungen zu übermitteln. Um die Satzungen noch in diesem Semester der Schulleitung zur Kenntnisnahme übergeben zu können, beschloß ein engerer Kreis, die Farben des Geselligen Liederkranzes schwarz-blau-rot zu übernehmen und Köhler schlug vor, der neuen Vereinigung den Namen “Liederkranz Staufia” zu geben. Noch im gleichen Semester konnte sich aus den ehemaligen Mitgliedern des Liederkranzes der Baugewerkschule ein starker Altherrenverband bilden. (26. Februar 1914). Ludwig Flöser v. Faß war der erste Vorstand. Er schuf auch unser Staufen-Wappen, während der Staufenzirkel von Ernst Fritz v. Spund, unserem ersten XXX, entworfen wurde.

Bereits nach einem halben Jahr hatte unser Bund eine harte Belastungsprobe zu erdulden. Kaum nach Kriegsbeginn mußten von unseren 56 Mitgliedern 43 in den Krieg ziehen. Die Vorlesungen an der Schule gingen noch über das Wintersemester 1914/15 bis zum Ende des Sommersemesters 1915. Danach sah sich die Direktion gezwungen den Unterricht einzustellen. Bundesbruder AH Roser v. Faß hielt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des AHV bis zum Jahre 1919 die Verbindung mit den sich im Krieg befindenden Bundesbrüdern aufrecht. Er rief nach Ende des Krieges die übrig gebliebenen  Staufen wieder zusammen und ermunterte sie, das begonnene fortzuführen. (1. Zusammenkunft am 20.1.1919 im Dinkelacker in Stuttgart.) Mit der Wiedereröffnung der Schule im Wintersemester 1918/19 erwachte auch die Aktivitas zu neuem Leben. Junge alte Herren stellten sich als Chargen zur Verfügung und gaben den begeisterungsfähigen Füxen und Burschen aus eigener Erkenntnis und Erfahrung die neue Richtung, in der sich der Bund entwickeln sollte.
Am 23 Februar 1919 fand in der Esslinger Krone das 5. Stiftungsfest statt. Der Aufbau des Korporationslebens an unserer Maschinenbauschule machte Fortschritte. Der Sinn für das Gemeinsame war durch das Kriegserlebnis vertieft worden. lm Sommersemester 1919 schlossen sich die Esslinger Verbindungen Motor, Suevia Arminia und Staufia zu einem örtlichen Chargierten-Convent zusammen, dem dann 1923 die Gründung des sog. Hohenneuffener Convents mit den Korporationen der Staatsbauschule Stuttgart folgte.

1924-1933

Am 16. Februar 1924 feierte die Staufia ihr 10. Stiftungsfest. Bereits zu dieser Zeit befanden sich Abordnungen von Korporationen aus Karlsruhe und Reutlingen neben den Verbandsbrüdern des H. N, C, Stuttgart bzw. Esslingen unter den Ehrengästen. Auch wurden bei dieser Familienfeier die ersten Bundesschwestern vomn AH Vorsitzenden M. Bosch v. Zapf mit  dem Staufenband ausgezeichnet. lm November 1924 erfolgte dann die offizielle Gründung des Bundesschwestern-Verbandes. Der BSV sollte dem AHV bei der Unterstützung der Aktivitas hilfreich zur Seite stehen.
Am 9. August 1930 schloß sich der H.N.C mit dem Hohensyburgbund (18 Korporationen in Nord- und Nordwestdeutschland) und dem Rolandsecker Kartellverband zum Ehrenbreitsteiner Vertreter Convent  zusammen. Jedoch stand 1932 fest, dass die daran geknüpften Erwartungen sich nicht erfüllten. Durch die widrigen Zeitumstände löste sich das Problem dann von selbst.
Im außerordentlichen Hauptconvent der AHV am 18.Oktober1932 stand als einziger Tagesordnungspunkt der Erwerb eines eigenen Staufenheimes auf dem Programm. Der Antrag, das Schreiber´sche Anwesen in der Friedrichstrasse 9A in Esslingen zu kaufen, wurde einstimmig angenommen. Ermöglicht wurde dies durch die große Opferfreudigkeit und Beharrlichkeit vieler Bundesbrüder. Am 25. März 1933 fand die Einweihung statt. Die Altherrenschaft hatte in der damalige schlechten Zeit viel gewagt und der Verbindung einen wichtigen Sammelpunkt geschaffen.

1934-1943

Im Mai 1934 feierten die Staufen noch im alten Glanz ihr 20. Stiftungsfest. Danach allerdings fing es an düster zu werden. Verbote und Repressalien kündigten die Ausschaltung der Korporationen an. Der Staat wollte die Aktivitäten unter seinen Einfluß bringen und forderte an den Hoch- und Fachschulen die Bildung sogenannter Kameradschaften. Der vormilitärische Dienst trug dazu bei, das Verbindungsleben langsam aber sicher auszuschalten. Die Aktivitas wurde geschlossen als Kameradschaft ,,Friedrich vom Hohenstaufen” in den Nationalsozialistischen Studentenbund überführt. Auch die Altherrenschaft mußte sich dem sog. Führerprinzip anpassen. Das Haus wurde der neuen Organisation zur Verfügung gestellt, konnte jedoch vor dem Zugriff der Parteiorgane gerettet werden. Die Zusammenarbeit zwischen Kameradschaft und Altherrenverband wurde vor allem nach 1939 immer kritischer. Der Altherrenverband sah sich deshalb gezwungen, die Kameradschaft (Aktivitas) im Sommer 1942 aufzulösen. (Beschluß des AHV vom 15. 9.1942). Das Haus wurde im Oktober 1942 beschlagnahmt und vom Wehrmeldeamt in Miete genommen. Die Utensilien der Aktivitas wie Banner, Chargenwichs, Schläger sowie restliches Mobiliar (das meiste wurde 1942 verkauft), gingen in den Wirren des Umsturzes leider verloren.

1944-1953

In den ersten Nachkriegsjahren wurde zunächst innerhalb des Altherrenverbandes ein loser Kontakt aufgenommen. Der Vorstand war jedoch entschlossen, eine abwartende Haltung einzunehmen, bis die offizielle Bestätigung und Zulassung einer korporativen Tätigkeit durch die Militärregierung ausgesprochen wurde. Dies geschah im Sommer 1948 durch den Beauftragten der amerikanischen Militärregierung, Mr: Robinson. Die Altherrenverbände Esslingens wurden in ihren Bemühungen vom damaligen Direktor der Schule, Herrn Professor Tafel, tatkräftig unterstützt. Unser AH-Vorsitzender Flötle berief auf den 11. Dez. 1948 einen Convent ein. Die 36 erschienenen Bundesbrüder beschlossen einmütig, die Staufia wieder zu erwecken und wählten zum neuen Vorstand die Bundesbrüder AH Single v Flötle als Präsident, AH Lutz v. Wolf als Schriftführer und AH Gleich v. Kluck als Schatzmeister lm Frühjahr 1949 wurde der wichtige Beschluß gefaßt, eine neue Aktivitas zu gründen. ln allen Semestern wurde gleichzeitig gekeilt. 39 Aktive konnten bei der Aufnahmekneipe am 7. Mai aufgenommen werden. Im Juli 49 wurde mit dem Nachwuchs das 35. Stiftungsfest im Kursaal in Bad Cannstatt gefeiert. Es war die erste hoch offizielle Veranstaltung dieser Nachkriegszeit. Von dem Althergebrachten der früheren Studentenjahre sollte nur das Wertvolle übernommen werden. Unseren Kneipabenden wurde durch fachliche und musische Vorträge ein neues Gesicht gegeben. Neben der Wiedergründung des Esslinger Vertreter Convents (V.C.E.) entstand im Sommer 1950 der “Verein der Freunde der lngenieurschule Esslingen”. Am 11. Juni 1951 wurde als Nachfolgeverband des H.N.C. der Rothenberger-Vertreter-Convent gegründet.

1954-1963

Seit dem 40. Stiftungsfest verfügt unser Bund nun wieder über ein  Banner. Aus diesem Anlass hielt der Oberbürgermeister von Esslingen, Dr. Roser auf dem Festkommers eine prächtige Rede mit Hinweis auf die Staufenkaiser und die Verpflichtung der heutigen Generation und vor allem der studentischen Jugend zu weltweitem Denken im Zuge einer europäischen Verständigung.
Ein weiterer Meilenstein war die Einweihung des neuen Staufenhauses in der Mülbergerstraße am 19.4.1958. Das alte Heim war zu klein geworden und es ergab sich die einmalige Gelegenheit, es gegen die frühere Villa der Neckarwerke zu tauschen.
Das Sommersemester 1960 brachte als wichtigsten Schritt die Wiedereinführung des Vollcouleurs durch freiwilligen Beschluss der Aktivitas

1964-1973

Größtes Ereignis im Jahre 1964 war unser 50. Stiftungsfest. Die Aktivitas übertraf sich an diesem Tag. Sie führte das Musical „My Fair Stall“ auf und erhielt rauschenden Beifall.
1966 ging ein Aufatmen durch die Aktivitas. Die Verpflichtung von Couleurdamen wurde aufgehoben.
BB AH Cis stand 1966 Pate bei der Gründung der Akademie-Verbindung Oeconomica zu Stuttgart.
Die Esslinger Ingenieurschule feierte 1968 ihr 100-jähriges Bestehen. AH Wolf hatte zum Festakt im Beethofen-Saal in der Stuttgarter Liederhalle die ehrenvolle Aufgabe erhalten, im Namen aller Korporationen und für alle Ehemaligen die Glückwünsche
Zu übermitteln. Für die Studentenschaft sprach BB Peter Kieffer v. Tanne als Asta-Vorsitzender ein vielbeachtetes Grußwort.
Das Sommersemester 1979 ging erstmals ohne Kandidatenabfuhr zu Ende. Ein entsprechender Beschluss war von Asta gefasst worden. Dies war nach 50-jähriger Tradition sehr bedauerlich, zumal für die Staufen, da doch unser AH Emil Herdter v. Schuss den Kandelmarsch ins Leben gerufen hatte.

1974-1986

Am 3.7.1976 fand ein Generalconvent mit der Neuwahl des AHP statt. AHP Wolf gab nach 25 Jahren sein Amt als AH-Präside zurück. BB Werner Hasel v. Klimper wurde einstimmig zum neuen AHP gewählt. Die wichtigste Aufgabe des neuen Vorstandes bestand darin, die Planungen für den Umbau des Staufenhauses einzuleiten, der dann 8 Monate später eingeleitet wurde. Pünktlich zum 65. Stiftungsfest waren die Umbauarbeiten abgeschlossen.
Ein Novum in der Geschichte der Staufia brachte das Wintersemester 76/77: Als erste  weibliche Aktive trat Margarete Schwarz v. Fee unserem Bunde bei.
Ein arbeitsreiches Sommersemester 81 wartete auf die Staufen. Das Stallfest wurde von den Verbindungen organisiert und ging als Wasserfest in die Chronik des Stalles ein. Ein Wolkenbruch setzte das Untergeschoß der FHT mit der dort eingerichteten Bar unter Wasser. Mit Hilfe der Feuerwehr und der Aktiven der Esslinger Verbindungen konnte das Fest gerettet werden und war mit ca. 2000 Besuchern trotzdem ein voller Erfolg.
Das Wintersemester 81/82 begann mit einem außerordentlichen Convent am 3. Okt. 1981 auf dem Staufenhaus. Die Neuwahl des AH-Vorstandes stand als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung. Unser alter Vorstand AHP Wolf, AH Rasputin und AH Douglas legte die Verantwortung für den Bund in die Hände von AH Navi, AH Sprint und AH Schmetter, die vom Convent einstimmig gewählt wurden. Auch der 2. Tagesordnungspunkt war von einiger Bedeutung. Die Diskussion ging um den geplanten Umbau des 1. Stockes. Der Beschluß des Convents bescherte der Aktivitas 4 Studentenzimmer.
Das Wintersemester 85/86 brachte den Staufen wiederum ein Novum. Senior der Aktivitas wurde Ilse Knorr v. Maggi.

1987 – 2010

Wegen drohender Insolvenz des Eigentümers des Nachbarhauses ergab sich 2004 die einmalige Möglichkeit, das Haus Nr. 39 zu erwerben. Diese wahrscheinlich nie wiederkehrende Möglichkeit, weitere Studentenzimmer direkt neben dem Staufenhaus  zu schaffen, überzeugte die große Mehrheit eines außerordentlichen Convents am 4.6.2004, so dass der Beschluss gefasst wurde, das Haus Mülbergerstrasse 39 käuflich zu erwerben. Die erforderlichen Sanierungsarbeiten wurden in einer Hauruck-Aktion von Aktiven, Vorstandsmitgliedern und der “Agilen Rentnertruppe” um unseren BB Manfred Welschke v. Knips durchgeführt, so daß die Einweihung von 9 zusätzlichen Studentenzimmern zum Wintersemester 2005 möglich wurde.

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