Manager mit Stallgeruch

Aus der Esslinger Zeitung vom 19.11.2014: Niko Warbanoff hat an der Hochschule Wirtschaftsingenieurwesen studiert, heute ist er Chef von 1400 Mitarbeitern. Im Verbindungshaus der Staufia an der Mülbergerstraße hat Niko Warbanoff während seines Studiums und auch danach viel Zeit verbracht. Die Waffe ist übrigens nur Dekoration, denn die Verbindung ist nicht schlagend. Foto: Bulgrin. Von Kornelius Fritz

Nico Warbanoff v. Sports

Wer Karriere machen will, muss an einer Uni studiert haben. Dieser Grundsatz galt früher in vielen Unternehmen. Absolventen von Fachhochschulen wurden zwar gerne eingestellt, schafften es in der Regel aber bestenfalls in die mittlere Führungsebene, dann war Schluss. Bei Niko Warbanoff war das anders: „Ich habe nie Nachteile erlebt, weil ich von der Fachhochschule komme“, sagt der 38-Jährige. Inzwischen ist der Absolvent der Hochschule Esslingen ganz oben angekommen: Seit 2011 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung bei der DB International. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn plant Bahnprojekte in aller Welt und hat rund 1400 Mitarbeiter. Warbanoff ist regelmäßig in Indien, Saudi-Arabien oder Katar unterwegs, Büros hat er in Berlin und Frankfurt. „Zu Hause bin ich aber in Esslingen“, sagt der 38-Jährige, der kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist. Zumindest die Wochenenden versucht er, bei seiner Familie auf der Neckarhalde zu verbringen.

Verbindung hilft bei der Jobsuche

Der Esslinger gehört nicht zu denen, die ihren beruflichen Aufstieg minutiös geplant haben: „Ich denke, Karriere machen auf Teufel komm raus, das funktioniert auch gar nicht“, sagt er. Auch bei ihm selbst ist nicht immer alles nach Plan gelaufen: Nachdem er 1995 am Georgii-Gymnasium Abi gemacht hatte, bekam Warbanoff zunächst keinen Platz im gewünschten Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. „Dafür hätte ich ein Einser-Abi gebraucht und das hatte ich nicht“, erzählt er. Deshalb schrieb er sich zunächst bei den Maschinenbauern ein, nach zwei Semestern konnte er dann aber zu den Wirtschaftsingenieuren wechseln: „Ich wollte nicht Konstrukteur des linken Außenspiegels werden, sondern lieber die Gesamtzusammenhänge verstehen“, sagt er.

An sein Studium am „Stall“ denkt er gerne zurück. Der Praxisbezug und die kleinen Gruppen waren für ihn die entscheidenden Argumente für die Fachhochschule und gegen ein Uni-Studium. Anspruchsvoll war’s trotzdem: „Manche Professoren waren schon harte Hunde“, erzählt Niko Warbanoff. In Erinnerung ist ihm etwa ein Professor Frieske geblieben, der Controlling unterrichtete und seine Studenten gerne so richtig in die Mangel nahm. „Bei ihm habe ich aber auch unheimlich viel gelernt“, sagt Warbanoff rückblickend. Mit Schrecken denkt er hingegen an das Fach Elektrotechnik zurück: Erst im dritten Anlauf bestand er damals die Prüfung.

„Ich habe aber auch viel Spaß gehabt in dieser Zeit“, sagt Warbanoff, der nebenher Leistungssport betrieb und es als Kunstturner bis in die Bundesliga schaffte. Außerdem schloss er sich gleich zu Beginn seines Studiums der Verbindung Staufia an, bei der schon sein Vater Mitglied war. Davon habe er im Studium, aber auch danach profitiert, sagt der 38-Jährige. „In der Verbindung kann man seine Persönlichkeit entwickeln, man übernimmt Verantwortung und muss auch mal eine Rede halten.“ Und natürlich schadet es auch nicht, wenn man als Student Kontakt zu den „Alten Herren“ der Verbindung hat, die oft einflussreiche Positionen in der Wirtschaft bekleiden. Sowohl Warbanoffs Auslandssemester in Singapur als auch der erste Job bei der heutigen Mercedes-Benz-Bank kamen damals durch die Vermittlung eines Bundesbruders zustande.

Mit Rüdiger Grube zur Bahn

Bewähren musste er sich im Beruf dann allerdings alleine, und das hat Niko Warbanoff getan. In seinem ersten Job ging er gleich nach Paris: „Geplant waren drei Monate, doch daraus sind dann 30 geworden“, erzählt der Wirtschaftsingenieur. Als er nach Deutschland zurückkam, war er bereits Chef von 30 Leuten.

Von der Mercedes-Benz-Bank ging es später zum Mutterkonzern Daimler, wo er Assistent und Büroleiter des Vorstandsmitglieds Rüdiger Grube wurde. Und als der 2009 Chef der Deutschen Bahn wurde, nahm er seinen Vertrauten mit dorthin.

Seit drei Jahren ist Niko Warbanoff nun Chef des Tochterunternehmens, das die international hochgeschätzten Ingenieurleistungen der Deutschen Bahn in alle Welt exportiert. Dass eine solche Karriere nicht planbar ist und auch ein wenig Glück dazugehört, ist Warbanoff klar. Doch auch die Hochschule habe ihren Anteil an seinem Aufstieg: „Durch mein Studium in Esslingen habe ich eine sehr gute Basis gehabt.“

Zum 100-jährigen Jubiläum der Hochschule am Standort Esslingen stellt die Eßlinger Zeitung in einer sechsteiligen Serie Menschen vor, die die Hochschule aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt und zum Teil auch mit geprägt haben.

 

Roman Kreisel v. Neo

Softwaretechnik/Medieninformatik | Abschluss 2009

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